Stillen

Der Stillrhythmus – Stillen nach festen Strukturen?

Gibt es einen festen Stillrhythmus für ein neugeborenes Baby? Wie oft sollte man im Idealfall stillen? Gibt es einen klar definierten Zeitraum zwischen den einzelnen Stillmahlzeiten, den man berücksichtigen sollte? Diese und ähnliche Fragen tauchen im Zusammenhang mit dem Stillen immer wieder auf.

Für uns Erwachsene sind Rhythmen und Strukturen fester Bestandteil unseres Lebens. Das sorgt für einen geregelten Ablauf und gibt uns Orientierung im Alltag. In diesem Zusammenhang taucht oft die Behauptung auf, dass Kinder unbedingt feste Abläufe und Rituale benötigen, um sich gesund entwickeln zu können; dies ist jedoch eine Fehlannahme. Jedes Kind ist eine eigene Persönlichkeit für sich, hat individuelle Bedürfnisse und vor allem befinden sich Kinder in einem Stadium der stetigen Weiterentwicklung. Was an einem Tag noch ganz selbstverständlich ist, kann am nächsten schon völlig anders aussehen.

Es gibt daher keine allgemeingültige Antwort auf die Frage, wie oft ein Neugeborenes tatsächlich gestillt werden sollte. Der Stillrhythmus ändert sich im Laufe der Entwicklung eines Babys immer wieder und somit auch die Stillhäufigkeit - mal will das Baby häufiger, mal weniger häufig gestillt werden.

Stillrhythmus bei Säuglingen - wie viele Stillmahlzeiten braucht Ihr Baby?

Die Stillmahlzeiten sind für Ihr Baby bei weitem mehr, als nur „Ernährung“. Durch das Stillen geben Sie Ihrem kleinen Schatz genau das, was er für eine gute und gesunde Entwicklung braucht. Durch das Saugen an der mütterlichen Brust, stillen Sie nicht nur die körperlichen, sondern auch die emotionalen Bedürfnisse des Kindes, nach körperlicher Wärme und Nähe zu Ihnen als Mutter.

Es ist völlig normal, Ihrem Baby in den ersten Tagen dabei helfen zu wollen, seinen eigenen Rhythmus zu finden. Jedes Kind entwickelt mit der Zeit einen ganz eigenen Stillrhythmus und auch sein eigenes Tempo bei der Einnahme seiner Stillmahlzeiten. Mit jedem Tag der vergeht, lernt ihr Baby besser zu saugen, was zur Folge hat, dass sich Stillmahlzeiten besser einspielen. Phasenweise können sogar feste Rhythmen entstehen, doch sobald sich die Familie daran gewöhnen möchte, verändert sich wieder das Stillverhalten Ihres Babys. Dies ist völlig normal, seien Sie deshalb unbesorgt!

Oftmals entsteht in den ersten Wochen der Eindruck, dass Mütter hauptsächlich stillen und kaum noch anderen Aktivitäten nachkommen. Auch das ist völlig normal, denn Babys benötigen vor allem in den ersten 3 Monaten intensiv Zeit und Zuwendung, um das Urvertrauen zu entwickeln. Hierfür benötigen sie Ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit und die Nähe zu Ihnen als Mutter. Nach dem 3. Monat kann das Stillen dann auch schon mal weniger Zeit in Anspruch nehmen. Im Alltag bewährt sich dann ein Tragetuch bzw. eine alternative Tragehilfe: So haben Sie die Hände frei für andere Dinge, Ihr Baby spürt jedoch weiterhin den für ihn so wichtigen Hautkontakt zu Ihnen.

Clusterfeeding - ein natürliches „Phänomen“ im Stillrhythmus

Es ist völlig normal, dass Ihr Baby ab dem ersten Lebenstag 8 bis 12 Mal innerhalb von 24 Stunden gestillt werden möchte. Während eines Wachstumsschubes kann es sogar nochmals mehr werden. Während diesen Wachstumsschüben des Babys steigert sich auch der Stillrhythmus. Ihr Baby hat einen größeren Bedarf an Muttermilch und durch häufiges Anlegen wird auch vermehrt Milch gebildet. Nach wenigen Tagen hat sich Ihre Brust somit auf den Mehrbedarf eingestellt (Angebot-Nachfrage-Regulation).

Dieses gehäufte Stillbedürfnis erstreckt sich in den ersten Lebenswochen auf das Stillen am Nachmittag und Abend. Dieses nahezu stündliche Stillen und „Dauerstillen“, das sog. Cluster-Feeding“ verunsichert junge Mütter oftmals. Es kommt die Frage auf, ob das Baby unter Umständen nicht genug Milch bekommt bzw. die Muttermilch nicht ausreicht.

Seien Sie jedoch unbesorgt, denn Clusterfeeding ist ein ganz natürliches Phänomen im Stillrhythmus.

Der englische Begriff „Cluster“ steht für „Häufung“, während „Feeding“ die Häufung der Mahlzeiten bezeichnet. Übersetzt bedeutet dies also eine Häufung an Stillmahlzeiten. Ihr Baby benötigt die permanente Nähe zu Ihnen und viel liebevolle Zuwendung um sich zu beruhigen. Das Neugeborene kann oft nur für kurze Zeit allein liegen oder schlafen und fühlt sich an Ihrer Brust wesentlich geborgener und kann dort perfekt entspannen.

Zudem haben Babys noch einen sehr kleinen Magen, den sie immer wieder füllen müssen, um den Energiebedarf ausreichend zu decken, den sie für ihre optimale Entwicklung und ihr rasantes Wachstum brauchen. Durch das häufige Saugen und das lange Stillen sichert sich Ihr Baby eine ausreichende Milchmenge für den nächsten Tag und erhält aufgrund der sehr gründlichen Brustentleerung sehr viel fettreiche und nahrhafte Muttermilch.

Der „Königsweg“: Stillen nach Bedarf

Wir empfehlen Ihnen nach Bedarf zu stillen, denn Ihr Baby weiß am besten, wann es Muttermilch benötigt. Auch Ihre mütterliche Brust kann den Bedarf zu stillen anzeigen. Wenn der Druck zu hoch wird, darf das Baby angelegt werden, auch wenn es lediglich für 2-4 Minuten saugt. Das reicht oftmals schon aus, um den Druck zu reduzieren. Bedenken Sie, dass Babys an heißen Tagen häufiger und kürzer trinken. Hören Sie lieber auf Ihr Gefühl und auf Ihren Mutterinstinkt, anstatt auf die Uhr zu schauen oder Protokoll zu führen. Nehmen Sie Ihr Baby immer an Ihre Brust, wenn Sie merken, dass es Bedürfnis hat und gerne gestillt werden möchte. 

Ein weiterer positiver Effekt des Stillens nach Bedarf ist, dass Kinder dadurch lernen ihre Bedürfnisse zu äußern und auch die Erfahrung machen, dass ihre Bedürfnisse ernstgenommen und gestillt werden. So entwickelt sich eine starke und sichere Persönlichkeit.

Muttermilch – das Beste für Sie und Ihr Baby

Studien haben gezeigt, dass Kinder, die gestillt wurden, mehr Intelligenzpunkte aufweisen. Hierfür werden zum einen die einzigartigen Bestandteile der Muttermilch verantwortlich gemacht, aber im Grunde passiert noch mehr. Durch den häufigen Hautkontakt, den regelmäßigen Augenkontakt, dem unterschiedlichen Geschmack der Muttermilch, dem Positionswechsel, der vertraute Stimme der Mutter und dem vertrauten Geruch – kommt beim Baby Sicherheit und Geborgenheit auf. Stillen spricht alle Sinne des Babys an und sorgt so für eine rasante und optimale Entwicklung des kindlichen Gehirns.

Jedes Mutter-Kind-Paar entwickelt einen eigenen, individuellen und flexiblen Rhythmus, der für beide passt. Finden Sie Ihren eigenen Weg mit Ihrem kleinen Liebling.