Wie läuft eine Wassergeburt ab?

Die Geburt im Wasser

Ein Vorteil der Wassergeburt ist, dass Frauen nur durch ihre Haltung die Wehentätigkeit steuern können © Olga Khoroshunova - Fotolia.com

Im ersten Teil "Wassergeburt - Die sanfte Entbindungsform im Wasser" sowie im zweiten Teil "Vor- und Nachteile der Wassergeburt" haben wir Ihnen ausführlich dargestellt, was man unter "Wassergeburt" und "Babys angeborenen „Tauch-Reflex“ versteht, welche die notwendingen Voraussetzungen sind sowie wann diese Entbindungsform nicht empfehlenswert ist. Im dritten Teil stellen wir Ihnen den Ablauf der Wassergeburt und deren Phasen vor.

1. Vorbereitung der Wassergeburt

Wassertemperatur 34 - 37 Grad

Die optimale Wassertemperatur in der Wanne sollte bei 34 und höchstens bei 37 Grad liegen. Bei höheren Temperaturen steigt die Durchblutung. Somit wird die Kreislaufbelastung für die Mutter größer. Der Frau sollte das Wasser im Sitzen ungefähr bis zum Nabel reichen.

Spezielle Geburtswanne

Die spezielle Geburtswanne hat nichts mit der Badewanne zu Hause zu tun. Sie ist im Idealfall so groß, dass die Frau zwischen unterschiedlichen Positionen wechseln kann und genug Bewegungsfreiheit hat.

Durch Totes-Meer-Salz kann der Auftrieb der Frau im Wasser verstärkt werden, so dass sie kaum Kraft aufzuwenden braucht, um ihre Position im Wasser zu halten oder zu wechseln.

Arzt und Hebamme begleiten die Geburt

Arzt und Hebamme überwachen die Wassergeburt und die Mutter vom Wannenrand aus. Über wasserdichte Schallköpfe erfolgt die ständige Überwachung der Herztöne des Kindes.

Oft werden gedämpftes Licht und Hintergrundmusik als angenehm empfunden.

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2. Der Ablauf der Wassergeburt wird weitgehend von der Mutter bestimmt

Die Frau entscheidet selbst, wann sie in die Geburtswanne steigen will. Kurze Unterbrechungen mit Verlassen der Wanne sind möglich. Wenn die Frau die Wanne verlässt, kann ihr eine Wärmflasche helfen, da sie nach einer Wassergeburt meistens friert.

Die Frau setzt im Wasser zur Geburt instiktiv die Bauchpresse ein. Ein Dammschutz ist nötig. Bei Wassergeburten kommt es jedoch seltener zu Geburtsverletzungen als bei "Landgeburten".

Wehenpause

Nach den Vorwehen kommt meist eine Wehenpause. Der Muttermund kann bis zu 5 cm geöffnet sein. In der Eröffnungsphase der Wehen wird der kindliche Kopf in den Beckeneingang hinein und bis zur Beckenmitte hinunter geschoben.

2.1. Die Übergangsphase: Die Mutter steuert die Wehentätigkeit

Werden die Wehen länger und heftiger, dann befindet sich die Frau in der Übergangsphase. Hier können die einzelnen Wehen lange dauern und schmerzhaft sein, deswegen verspricht das Wasser eine gute Schmerzlinderung.

Ein wichtiger Vorteil der Wassergeburt besteht nämlich darin, dass Frauen selbst nur durch ihre Haltung die Wehentätigkeit steuern können. Die Wehentätigkeit kann z.B. durch Positionswechsel vom Liegen zum Knien, Stehen oder auf dem Bauch liegen gut reguliert werden und verschafft Schmerzlinderung.

Der Kopf des Babys befindet sich in dieser Phase bereits in der kreisrunden Beckenhöhle, wo er immer noch viel Platz hat.

Diese Übergangsphase stellt die schmerzhafteste Phase für die Mutter dar, da zur vollständigen Öffnung des Muttermundes nun das Druckgefühl auf das Steißbein hinzukommt. Wenn die Mutter hockt, wird das Hineinrutschen des Kopfs des Babys in den engen Beckenausgang erleichtert.

Das warme Wasser ermöglicht eine leichte Dehnung von Knochenverbindungen und Muskulatur und stimuliert die Elastizität des Beckenbodens. Dieser gibt im Wasser leichter nach. Gleichzeitig verhindert das Wasser Schwellungen im Bereich des Geburtskanals.

Kurz vor der Austreibungsphase, in der sogenannten Übergangsphase, verlassen viele Frauen die Wanne, um sich auszuruhen.

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2.2. Die Austreibungsphase

Diese Phase charakterisiert sich durch eindeutige Wehenpausen, die im Wasser bis zu 10 Minuten andauern können.

Durch die höhere Elastizität der Körpergewebe im Wasser bieten Beckenboden und Scheidenwände relativ wenig Widerstand. Bei einer Wassergeburt nehmen die meisten Frauen keinen Pressdrang wahr. 

Während der Austreibungsphase benötigt die Gebärmutter einen großen Energieschub, um das Baby herauszulassen. Je nach Körperzustand der Mutter kann sich die Austreibungsphase entweder beschleunigen oder verzögern.

Wie bei der Geburt „an Land", so ist auch bei einer Wassergeburt die stehende Haltung eine günstige Gebärposition. Dadurch wird zusätzlicher Raum im Beckenausgang gewonnen. Die Schubkraft der Gebärmuttermuskulatur reicht in dieser Haltung meist vollkommen aus, um das Kind hinauszuschieben

2.3. Die Geburt im Wasser

Die Geburt des Kindes erfolgt in zwei Phasen: Zuerst wird der Kopf geboren, dann folgt mit einer weiteren Wehe der übrige Körper, bis es mit dem Gesicht zur Wasseroberfläche schaut.

"Tauch-Reflex": Babys erster Atemzug über Wasser

Die Augen sind geöffnet und es beginnt von selbst zu schwimmen. Der Auftrieb trägt es an die Wasseroberfläche. Durch den "Tauch-Reflex" macht das Baby seinen ersten Atemzug erst über Wasser.

Wenn das Baby keinen Wasserkontakt mehr spürt, wird es seinen ersten Atemzug machen. In dieser Zeit wird das Kind von der Mutter mit Sauerstoff über die Nabelschnur versorgt. Die Nabelschnur wird erst nach Sistieren der Pulsation durchgetrennt.

Kind wird an die Brust der Mutter angelegt

Nachdem das Baby geboren wurde, wird es für einige Sekunden aus dem Wasser genommen und auf die Brust der Mutter gelegt, so dass der Körper des Kindes weiterhin im Wasser bleibt. Um die Auskühlung des Babys zu verhindern, sollten vorher vorgewärmte Tücher bereitgelegt werden.

Die Plazentalösung

Die Frau kann nun entscheiden, ob sie für die Ausstoßung der Plazenta das Wasser verlässt oder in der Wanne verbleibt. Die Geburt der Plazenta kann außerhalb oder innerhalb des Wassers stattfinden. Nach der Geburt wird die Mutter auf Verletzungen im Vaginalbereich untersucht. Die weitere Versorgung von Mutter und Kind unterscheidet sich nicht von einer Landgeburt.

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Quellen:
Enning, Cornelia (2000): Wassergeburt - Der sanfte Weg - Natürlich und sicher Mutter werden. Egmont Verlag.
Vieten,  Markus (2000): Handbuch für die Hebamme: von Hebammen für Hebammen. Hippokrates Verlag Stuttgart.
Hebammenpraxis Enning. Die Geburt im Wasser www.hebinfo.de/wassergeburt-dersanfteweg/wassergeburt-geburtimwasser/index.php

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Kommentar von Saskia |

Liebes Ardo-Team,
ich habe gerade den Artikel zum Thema Wassergeburt gelesen.
Darin steht dass die Geburt durch einen Arzt und/oder Hebamme betreut wird. Das
"oder" ist hier nicht ganz richtig, da bei einer Geburt immer eine Hebamme anwesend sein muss. Der Arzt hat eine gesetzlich geregelte Hinzuziehungspflicht und darf keine Geburten ohne Hebamme leiten.
Die Hebamme hingegen darf physiologische Geburten ohne Arzt durchführen und ist bei Regelwidrigkeiten oder Pathologie verpflichtet einen Arzt hinzuzuziehen.
Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Ardo-Team

Vielen Dank. Das haben wir gleich angepasst.

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