Vorzeitiger Blasensprung während der Schwangerschaft

Mögliche Ursachen

Je früher ein vorzeitiger Blasensprung auftritt, desto risikoreicher kann die Restzeit der Schwangerschaft werden © Photographee.eu - Fotolia.com

Ein früher vorzeitiger Blasensprung betrifft etwa 2-5 % aller Schwangerschaften und stellt eine mögliche Komplikation während der Schwangerschaft dar.

1. Was ist vorzeitiger Blasensprung?

Wenn die Fruchtblase, die das ungeborene Kind im Mutterleib umgibt, vor der 37. Woche platzt bzw. reißt, also bevor regelmäßige Wehen einsetzen, spricht man von einem vorzeitigen Blasensprung.

Je früher ein vorzeitiger Blasensprung  auftritt, desto risikoreicher kann die Restzeit der Schwangerschaft werden. Ein unbehandelter Blasensprung kann sowohl die Schwangere als auch das Baby gefährden und zu einer Frühgeburt führen. Aus diesem Grund sollten Sie sich möglichst schnell von Ihrem Arzt untersuchenlassen, falls unerwartet Fruchtwasser austritt

Ab der 38. Woche setzen nach dem Blasensprung in der Regel die Wehen von alleine ein. Das Baby ist bereits groß genug und seine Organe sind voll ausgereift.


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2. Ursachen für einen vorzeitigen Blasensprung

Ein vorzeitiger Blasensprung wird meist durch eine schwache Wand der Fruchtblase (Eihaut) oder durch einen erhöhten Innendruck verursacht. Beides kann auch durch eine vaginale Infektion, Alkohol oder Rauchen während der Schwangerschaft ausgelöst werden

  • In den meisten Fällen wird der Blasensprung von einer aufsteigenden Infektion oder Entzündung im Genitalbereich verursacht wie z.B. bakterieller Vaginose, Chlamydien oder Scheidenpilz. Eine Infektion führt zur Freisetzung von Stoffen (Prostaglandinen), die eine Aufweichung der Eihülle zur Folge haben. Somit wird die Stabilität der Fruchtblase gefährdet.

  • Zervixinsuffizienz: Bei vorzeitiger Muttermundöffnung liegen die Eihäute am unteren Eipol frei und können dort leichter reißen.

  • Schwäche des Gebärmutterhalses: Das führt dazu, dass die Eihaut sich nicht genügend dehnt und schließlich ohne Wehen einreißt.

  • Erhöhter Druck durch Mehrlingsschwangerschaft

  • Auch eine Scheidenentzündung kann die Eihaut schädigen, sodass sie durchlässig wird.

  • Bei einer drohenden Frühgeburt durch vorzeitige Wehen steigt die Belastung am unteren Blasenpol stark an, dass die Fruchtblase einreißt.

  • Nikotin: Rauchen erhöht das Risiko für einen vorzeitigen Blasensprung.

  • Vaginale Blutungen: Frauen, die in der frühen Schwangerschaft eine vaginale Blutung haben, besitzen ein mehr als doppelt so hohes Risiko für einen vorzeitigen Blasensprung.

Die Anzeichen für einen vorzeitigen Blasensprung sind meist eindeutig: Wenn die Fruchtblase reißt, verliert die Frau unwillkürlich Fruchtwasser. Dies kann tröpfchenweise oder schwallartig abgehen. Oft ist die Flüssigkeit milchig-trüb und kann süßlich riechen.

Bei einem Blasensprung vor der 26. Schwangerschaftswoche ist die Prognose für die zukünftige positive Entwicklung des  Fötus eher zweifelhaft. Liegen keine Infektion und keine vorzeitigen Wehen vor, wird die Schwangere in einer Klinik sorgfältig überwacht.

Bei einem Blasensprung zwischen der 26. und 32. Woche stellen der Nabelschnurvorfall bei hochstehendem Kopf, Beckenend- oder Querlagen und die plötzliche Ausstoßung des Fötus die Hauptgefahren dar. Ab der 32. Schwangerschaftswoche wird meist ein Kaiserschnitt bevorzugt, um schwere Komplikationen wie Nabelschnurvorfall und Infektionen zu vermeiden.

Ein Blasensprung vor der 34. SSW erhöht die Gefahr einer Sepsis. In diesem Fall ist eine ärztliche Behandlung mit Antibiotika ratsam, um diese möglichst zu vermeiden. Der Schwangeren wird Bettruhe verordnet und eine regelmäßige Kontrolle der Fruchtwassermenge vorgenommen. Hat die Wehentätigkeit bereits eingesetzt, wird die Geburt eingeleitet. Hat die Schwangere noch keine Wehen, wird abgewartet und es folgen weitere Untersuchungen.

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Vorzeitiger Blasensprung zwischen der 34. und 36. Schwangerschaftswoche

Tritt ein Blasensprung zwischen der 34. und 36. Schwangerschaftswoche auf wird nur beim Nachweis eines Erregers (wie Streptokokken) ein Antibiotikum verschrieben. Bei Wehentätigkeit kommt es schließlich zur Geburt. Sollte noch keine Wehentätigkeit vorhanden sein, wird die Geburt in der Regel künstlich eingeleitet.

Auch nach der 37. Schwangerschaftswoche kommt es bei Wehentätigkeit zur Geburt. Wird bei der Untersuchung verunreinigtes Fruchtwasser festgestellt, wird die Wehentätigkeit meist sofort künstlich eingeleitet.

Die Behandlung und die Therapie des Blasensprungs hängen von der Schwangerschaftswoche, vom Gesundheitszustand der Mutter und des Kindes ab und davon, ob eine Wehentätigkeit vorhanden ist.

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Quellen:
H. Schneider, P. Husslein,K.T.M. Schneider (2013): Geburtshilfe. Springer Verlag.
Jürgen Wacker, Martin Sillem,Gunther B. Bastert,Matthias W. Beckman (2013):Therapiehandbuch Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer Verlag.

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