Vor- und Nachteile der Wassergeburt

Was bringt eine Geburt im Wasser für Mutter und Kind?

Ein Vorzug der Wassergeburt ist die Schmerzlinderung während der Wehen © Rafael Ben-Ari - Fotolia.com

Nachdem Sie im ersten Teil des Artikels "Wassergeburt" über die Schmerzlinderung, den angeborenen „Tauch-Reflex“ von Babys sowie über die Komplikationen, bei denen eine Wassergeburt nicht emfehlenswert ist, gelesen haben, erfahren Sie jetzt im zweiten Teil mehr über die Vor- und Nachteile der sanften Entbindung im Wasser.

Während der Wassergeburt verbringt die Mutter die Zeit von der Eröffnungs- bis zur Austreibungsperiode in einer speziellen Geburtswanne.

 

1. Vorteile der Wassergeburt für die Mutter

In der Klinik in Bensberg kommen jährlich rund 9% aller Kinder im Wasser zur Welt. In einer großangelegten Studie mit über 1.000 Wassergeburten konnten die Bensberger nachweisen, dass Schmerzmittelverbrauch, Blutverlust und die Dammschnittrate im Wasser deutlich niedriger waren als bei vergleichbaren "Landgeburten". Auch die Geburtsdauer erwies sich als kürzer.

1.1.) Weniger Schmerzen: Vorwehen verschwinden im Wasser

Der am deutlichsten spürbare Vorzug der Wassergeburt ist die Schmerzlinderung während der Wehen. Frauen empfinden die Wärme und den Wasserdruck auf den Bauch offenbar als schmerzlindernd. Das warme Wasser wirkt entspannend und die Wehenschmerzen werden oft als erträglicher empfunden. Im Idealfall kann sich die Geburt um bis zu zwei Stunden verkürzen.

1.2.) Vermehrte Elastizität der Beckenknochen

Die verminderte Schwerkraft im Wasser verringert den Druck auf das Becken. So kann die Frau mit Wehen durch mehr Bewegungsfreiheit leichter umgehen.

1.3.) Bauchlage im Wasser möglich


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1.4.) Niedriger Energieverbrauch

Ein weiterer Vorzug ist der niedrigste Energieverbrauch des mütterlichen Organismus im Wasser. Die Wehen im Wasser sind leichter und kürzer. Das ist auch der Grund, warum die Frauen nach einer Wassergeburt sehr kräftig sind und problemlos aufstehen können.

1.5.) Geringer Blutverlust

Die Wassergeburt zeichnet sich auch mit einem geringeren Blutverlust aus. Deswegen sehen die Frauen im Wochenbett oft kräftiger und frischer aus. Schon 12 Stunden nach der Geburt können die Frauen in der Regel wieder baden, Haare waschen und ohne Schmerzen herumlaufen.

Viele Frauen, die schon "normale" Geburtserfahrungen haben, bemerken bei Wassergeburten immer wieder, wieviel schwächer die Geburtswege geschwollen sind, wenn sie aus dem Wasserbecken steigen. Dadurch ist ihre Beweglichkeit nicht so stark durch die Schmerzen an den Genitalien eingeschränkt.

1.6.) Weniger Dammrisse

Ein weiterer Vorteil der Wassergeburt ist, dass ein potentieller Dammriss meist nur oberflächlich und klein ist und oft nicht einmal genäht werden muss, da die Muskulatur entspannter und das Gewebe elastischer und weicher ist. Spätestens am 5. Tag ist er wieder verheilt. Auch der Pressdrang ist im Wasser geringer. Infektionen an der Naht sind nach Wassergeburten bisher nicht aufgetreten.

1.7.) Weniger Stress fürs Baby

Für das Baby bedeutet eine Wassergeburt weniger Stress: Es wechselt vom warmen Fruchtwasser ins warme Badewasser, der Schock der neuen kalten Welt fällt nicht ganz so heftig aus.

Die Daten von den bisherigen Wassergeburt-Studien zeigen, dass sowohl Schmerzlinderung für die Mutter als auch die Stressreduzierung für das Baby keine Einzelfälle sind, sondern stellen generelle Merkmale einer Wassergeburt dar (Enning, 2000).

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2. Nachteile der Wassergeburt

2.1.) Schnelle Hilfe im Notfall?

Die Kritiker sehen bei der Wassergeburt den Nachteil, dass es im Notfall länger dauert, bis die Mutter oder das Baby medizinisch versorgt werden können. Bei Komplikationen während der Geburt können die Ärzte nicht so schnell eingreifen wie bei einer Geburt "an Land", da die Mutter zunächst aus der Wanne steigen muss.

2.2.) Keine klassische Schmerztherapie wie PDA möglich

Die Wehenschmerzen können bei einer Wassergeburt nicht per Spinalanästhesie oder Periduralanästhesie (PDA) gelindert werden.

2.3.) Infektionsrisiko

Das Infektionsrisiko für Mutter und Baby wird durch verschmutztes Wasser oder starke Blutungen der Mutter als gering eingeschätzt, allerdings können Infektionen nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Trotzdem ist das Risiko höher als bei einer „normalen“ Geburt. Die statistischen Daten zeigen, dass es bei Wassergeburten keine erhöhte Rate an Infektionen oder Aspirationen (also Verschlucken oder Einatmen von Wasser) gibt.

2.4.) Kreislaufprobleme bei der Mutter

Bei einem normalen Ablauf der Wassergeburt ist der kritischste Moment der, in dem die Mutter die Geburtswanne bzw. das Wasser verlässt, da es hier zu Kreislaufproblemen kommen kann. Deswegen ist es wichtig, dass immer zwei Personen die Mutter stützen, wenn sie aus der Wanne aussteigt.

2.5.) Eine Vakuumextraktion und Zangengeburt sind bei der Wassergeburt leider nicht möglich.

2.6.) Eine zweite Person sollte stets zur Verfügung stehen, falls die Schwangere an Land transportiert werden muss.

Teil I: Wassergeburt - Die sanfte Entbindungsform im Wasser

 

Links, die Sie interessieren könnten:

Quelle:
Familie.de Was ist eine Wassergeburt?http://www.familie.de/schwangerschaft/wassergeburt-512789.html
Enning, Cornelia (2000): Wassergeburt - Der sanfte Weg - Natürlich und sicher Mutter werden. Egmont Verlag.
Vieten,  Markus (2000): Handbuch für die Hebamme: von Hebammen für Hebammen. Hippokrates Verlag Stuttgart.
http://www.babycenter.de/a16164/die-wassergeburt#ixzz3QCG3LcOR
VPH Bensberg
http://www.vph-bensberg.de/institute-und-fachabteilungen/frauenklinik/geburtshilfe/wassergeburt.html

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