Stillen nach einer Brustverkleinerung

Brustoperation und Laktation

Bei der Stieltechnik bleiben die meisten Milchgänge und Nerven intakt, deswegen ist das Stillen oft noch möglich © Coloures-pic - Fotolia.com

Eine Frau kann sich aus verschiedenen körperlichen Gründen für eine Verkleinerung der Brust entscheiden. Besonders große Brüste können verschiedene Probleme verursachen: Haltungsfehler, Rückenschmerzen etc. Bei einer Brustreduktion wird von den operierenden Ärzten in der Regel die Stieltechnik bei der Schnittführung angewendet.

Außer der verwendeten Schnittführung werden die Milchbildung und Stillfähigkeit von weiteren Faktoren beeinflusst wie z.B. die Art der Operation. In diesem Zusammenhang stellen sich drei wichtige Fragen:

  1. Gibt es ermutigende Anzeichen für eine Milchbildung?
  2. Gibt es Belege für einen Milchfluss und die Entleerung von Milch aus der Brust?
  3. Was sind die Auswirkungen auf das Baby (z.B. nimmt der Säugling zu?).

1. Brustverkleinerung (Stieltechnik)

Bei der Stieltechnik bleiben für gewöhnlich die meisten Milchgänge, Blutgefäße und Nerven intakt, deswegen ist das Stillen nach diesem Eingriff oft noch möglich, wenn der Eingriff nach Plan läuft. Laut Studien können rund zwei Drittel der Frauen, die mit dieser Technik operiert wurden, eine genügend große Milchmenge bilden.

Generell gilt: Der Milchspendereflex erfolgt nur über den empfundenen Reiz, der durch das kindliche Saugen ausgelöst wird.

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2. Mögliche Folgen

2.1) Verletzungen von Milchgängen und Nerven

Je näher an der Areola operiert wird, desto häufiger werden Milchgänge verletzt und Nerven beschädigt. Das Durchtrennen von Milchgängen wirkt sich unterschiedlich stark auf die spätere Milchmenge aus.

2.2) Milchstau und Mastitis

Da bei einer Brustoperation einige Milchkanäle durchtrennt werden, führt dies meist zu Vernarbungen und diese wiederum üben Druck auf die Milchgänge aus. Deswegen sind später Milchstau oder Mastitis mögliche Nebenwirkungen.

2.3) Brustdrüsenschwellung und Verzögerung des Milchflusses

Während einige Patientinnen von einer leichten Verzögerung des Milchspendereflexes berichten, kommt es bei anderen zu einer Brustdrüsenschwellung 84 Stunden nach der Operation.

2.4) Gefühlsverlust: Sensibilität der Brustwarze

Eher typisch nach einer Operation ist ein Gefühlsverlust, da meist Nerven durchtrennt wurden. Die Sensibilität im Bereich der Areola und der Mamille ist wesentlich für den Erfolg oder Misserfolg des Stillens.

3. Stillfähigkeit nach einer Brust-OP?

Laut einer Studie aus Brasilien ist das Risiko eines Babys nicht ausschließlich gestillt zu werden 5-mal höher, wenn die Mutter eine Brustverkleinerung hatte. Bei einer Brustvergrößerung, ist diese Wahrscheinlichkeit 2,6-mal höher.

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Kompetente Stillberatung

Allgemein gilt, dass Frauen nach einer Brustoperation eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine verminderte Laktation (Milchmenge) haben als Frauen, die nicht operiert wurden.  Jede Mutter merkt selbst, dass ihr Baby satt wird, wenn es zufrieden ist und gut gedeiht.

Möchte eine Frau nach einer Brustoperation stillen, sollte sie schon in der Schwangerschaft eine kompetente Betreuung und Beratung in Anspruch nehmen. Hier empfehlen sich natürlich Hebammen oder Stillberaterinnen.

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Quellen:
Biancuzzo, Marie (2005): Stillberatung. Mutter und Kind professionell unterstützen. Urban & Fischer Verlag.
Deutscher Hebammenverband (2012): Praxisbuch: Besondere Stillsituationen. Hippokrates Verlag Stuttgart.
Stephan Heinrich Nolte, Stephan & Nolden, Annette (2013): Das große Buch für Babys erstes Jahr: Das Standardwerk für die ersten 12 Monate. Gräfe & Unzer Verlag.

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