Stillen nach einer Brustoperation: Mögliche Auswirkung auf die Milchbildung

Schnittführungen bei Brust-OP

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Heutzutage ist es nicht ungewöhnlich, dass viele Frauen kosmetische oder medizinische Brustoperationen haben. Manchmal werden Frauen von ihrem Chirurgen oder Arzt nicht optimal über die möglichen Auswirkungen der Operation auf das Stillen und die Milchbildung informiert.

Normalerweise gibt es zwei typische Situationen, bei denen Fragen aufkommen können: Eine  Frau wünscht sich  nach einer früher durchgeführten Brustoperation zu stillen oder die Frau muss aus medizinischen Gründen während der Stillzeit operiert werden.

1. Brustoperation vor dem Beginn der Laktation/Milchbildung

Brustoperationen vor der Stillzeit können die Milchbildung positiv oder negativ beeinflussen. Die Stillfähigkeit einer Frau hängt davon ab, inwieweit folgende Strukturen (Gewebe, durchtrennte Milchgänge oder Drüsengewebe) betroffen sind.

1) Gewebe – die Menge des entfernten Gewebes und die Ausdehnung und Art des Narbengewebes sowie die Abtrennung von Mamille und Areola

2) Milchgänge – sind die Milchgänge nach der Operation intakt oder nicht

3) Blutversorgung – ist sie unterbrochen oder nicht

4) Nerven – sind die Nerven intakt oder nicht

Nach der Operation könnten Narbengewebe, Milchgänge oder entferntes Drüsengewebe zu Stillproblemen führen. Je intakter die Strukturen sind, umso höher sind auch die Chancen für eine erfolgreiche Milchbildung.

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2. Schnittführungen bei Brustoperationen

Eine mögliche Schädigung der Brust hängt zum großen Teil von der Art der Operation und der verwendeten Schnittführung ab. Sehr oft gleicht die nicht betroffene Brust jedoch die verringerte Milchmenge der operierten Brust aus, selbst nach der vielleicht medizinisch notwendigen Entfernung einer Brust.

Generell werden fünf verschiedene Möglichkeiten der Schnittführung bei Brustoperationen unterschieden:

  1. Periareolar (Schnitt um die Areola)

  2. Infrasubmammär (in der Brustumschlagfalte)

  3. Axillär (in der Achsel)

  4. Stieltechnik (Transposition ohne Ablösung der Mamille)

  5. Ablösung der Mamille

2.1) Schnitt um die Areola

Bei der periareolaren Schnittführung handelt es sich um einen Schnitt um die untere Grenze der Areola. Ein Vorteil hier ist es, dass der Schnitt weniger sichtbar ist. Im Unterschied zu anderen Techniken kann diese Schnittführung  eine Stillunfähigkeit oder einen Gefühlsverlust hervorrufen, da hier die Wahrscheinlichkeit, dass Milchgänge verletzt werden, etwas höher ist.  Nach einem solchen Eingriff wird die Milch nur in den Bereichen entleert und gebildet, in denen die Milchgänge intakt und nicht beschädigt sind. Diese Technik wird z.B. bei Biopsien oder Brustvergrößerung eingesetzt.

2.2) Infrasubmammäre Schnittführung

Bei Infrasubmammären Schnittführung befinden sich die Einschnitte meistens unter der Brustdrüse bzw. in der Brustumschlagfalte. Bei dieser Schnittführung ist das Stillen nach dem Eingriff meist möglich. Nachteilig ist, dass das Narbengewebe sichtbar ist. Diese Technik wird oft bei einer Brustvergrößerung verwendet.

2.3) Axilläre Schnittführung

Der axilläre Schnitt liegt in der Achsel. Der Vorteil liegt darin, dass er praktisch unsichtbar ist. Nachteilig sind die Narbenkontrakturen der Haut und spätere Schwierigkeiten bei der Brustkrebserkennung.

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2.4) Stieltechnik

Bei der Stieltechnik bleiben Areola und Mamille mit dem darunterliegenden Grundgewebe verbunden. Diese Technik ermöglicht den Chirurgen, die Haut von Mamille und Areola, die Milchgänge, die Blutversorgung und einige Nerven intakt zu lassen.

2.5) Free-nipple-Technik

Die vollständige Ablösung der Mamille (free-nipple-Technik) wird heute kaum mehr durchgeführt. Da diese Technik Mamille und Areola voneinander trennt und die Milchgänge durchtrennt. Nach einem solchen Eingriff ist  es unwahrscheinlich, dass anschließend noch eine Laktation möglich ist.

Teil II: Stillen nach Brustverkleinerung folgt bald!

Links, die Sie interessieren könnten:

Quellen:
Schweitzer, Dora (2012): Stillen: Ihre Stillberatung für zu Hause. Mütter berichten: Das hat mir geholfen.
Nolden, Annette & Heinrich Nolte, Stephan  (2013): Das große Buch für Babys erstes Jahr: Das Standardwerk für die ersten 12 Monate. Gräfe & Unzer Verlag.
Biancuzzo, Marie (2005): Stillberatung. Mutter und Kind professionell unterstützen. Urban & Fischer Verlag.

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Kommentar von marion |

Ein sehr interessanter Artikel. Das gilt gleichermassen für eine Brustverkleinerung als auch für eine Vergrößerung. Eine Brustverkleinerung ist ja hierbei häufig schmerzbedingt und daher auch ein ernsteres Thema. Der Fakt, dass zu wenig Ärzte diese wichtigen Informationen grade auch bei jüngeren Frauen weitergeben ist einfach nur traurig. Da kann ich von meinem Chirug Schrögendorfer, auf Brustverkleinerung spezialisiert, behaupten, dass er sich bei diesem Thema bewiesen hat.

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