„Schreikinder“ – Tipps für den Umgang mit untröstlich schreienden Babys

Mögliche Ursachen für Babygeschrei

Die Babymassage ist bei vielen "Schreikindern" ein beliebtes und wirkungsvolles Mittel © ksi - Fotolia.com.

Babys bringen ihre Bedürfnisse ohne Vorsatz zum Ausdruck und warten, dass diese befriedigt werden.

Um die "Natur des Schreiens" Ihres Kindes zu verstehen, ist es wichtig, dass Sie sich mehr Zeit nehmen und genauer zuhören und beobachten, wie Ihr Baby reagiert.

Manchmal benötigt das etwas länger und erfordert viel Geduld. Der Umgang mit Ihrem Schatz ist ein ständiger Kennenlernprozess.

1. Wann ist ein Baby ein "Schreikind"?

Dafür gibt es eine sog. Dreierregel, die besagt: Wenn das Baby über einen Zeitraum von mehr als drei Wochen an mehr als drei Tagen länger als drei Stunden pro Tag schreit, dann ist das exzessives Schreien.

Wenn alle Möglichkeiten, die beim Kind Unwohlsein hervorrufen können, überprüft worden sind (zu heiß, zu kalt, Koliken, Hunger, volle Windel, Schmerz, Zahnen, Blähungen), sollte man sich fragen, ob eventuell ein Geburtstrauma der Grund sein könnte und ob ausreichend Körperkontakt mit der Mutter gegeben ist.

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2. Mögliche Ursachen für Babygeschrei

Bei Eltern und Erwachsenen löst das Schreien eines Babys Stressreaktionen aus: Blutdrucksteigerung, steigender Puls, Herzrasen etc. Da die Eltern nicht wissen, was dem Baby fehlt, versuchen sie den Säugling durch verschiedene Techniken bzw. Verhaltensmuster zu beruhigen:

Folgende Maßnahmen könnten zur Verbesserung der Situation beitragen:

2.1) Direkter Körperkontakt bzw. Kontaktsuche

Babys möchten und brauchen die körperliche Nähe der Mutter. Nicht nur in den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt, sondern auch danach ist der intensive Haut-Körperkontakt sehr wichtig für die Entwicklung des Babys. Wenn Babys untröstlich weinen und schreien, wollen sie aufgenommen und gehalten werden.

2.2) Aufnehmen und Halten in aufrechter Position

Beachten Sie das Schlafbedürfnis des Kindes. Viele Babys, die untröstlich weinen, sind oft übermüdet, besonders wenn sie häufig hingelegt und wieder aufgenommen werden.

2.3) Rhythmisches Streicheln und Sprachmelodie

2.4) Das Baby schaukeln, wiegen, im Tragetuch tragen und herumlaufen

Schaukeln, wiegen oder tragen Sie Ihr Kind und geben Sie Ihm Körperkontakt und Nähe. Häufiges Tragen und die Nähe im Tragetuch vermitteln dem Kind, dass es gehalten, geliebt und geschützt wird. Meist reduzieren sich die Schreiphasen deutlich.

Eine kanadische Studie hat gezeigt, dass das regelmäßige Tragen des Babys (mind. 3 Stunden täglich) das Schreiverhalten in den ersten drei Monaten deutlich verbessert:

1) Das tägliche Babygeschrei wurde kürzer

2) Das abendliche Schreien wurde positiv beeinflusst

3) Es gab längere zufriedene Wachphasen

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2.5) Das Kind stillen und füttern

Stillen Sie häufig, denn das hat eine beruhigende Wirkung.

2.6) Babymassage

Die Babymassage ist bei vielen "Schreikindern" ein beliebtes und wirkungsvolles Mittel, um das Kind zu beruhigen und ihm körperliche Nähe zu vermitteln.

Info-Tipp: Welche sind die eher die unwahrscheinlichen Ursachen für die Babygeschrei? Wie geht man mit "Schreikindern" um?

3. Was sagt die Säuglingsforschung?

Die Säuglingsforscher gehen heute davon aus, dass Babygeschrei der „Ausdruck einer erschwerten nachgeburtlichen Anpassung des Babys an seine neue Umgebung ist und durch eine mangelnde Verhaltensregulation verursacht wird“ (Vgl. Jahn-Zöhrens, 2009). Diese Einschränkungen betreffen z.B. die Regulation des Schlaf-wach-Rhythmus, der Nahrungsaufnahme und der Reizaufnahme.

Schreibabys sind empfindlicher und neigen zu überschnellen Reaktionen. Sie zeichnen sich durch eine erhöhte Reaktivität und verringerte Fähigkeit, sich selbst zu regulieren, aus. Aus diesem Grund ist für Schreikinder schwierig,  sich selbst zu beruhigen. Sie benötigen dafür zusätzliche und intensivere Unterstützung von den Eltern.

Betroffene Eltern berichten oft dass sie die Signale ihres Kindes nicht richtig einschätzen und deuten können. Deswegen kommt es zwischen Schreikindern und deren Eltern zu Verständnisproblemen. Je länger das Baby untröstlich schreit, desto verunsicherter sind die Eltern.

4. Weitere Tipps

(1) Suchen Sie Kontakt zu Selbsthilfegruppen oder wenden Sie sich an Ihren Kinderarzt

(2) Wenn Sie ein Baby haben, das viel schreit, akzeptieren Sie es und seien Sie geduldig. Das Kind hat es etwas schwerer als andere Babys und braucht Ihre Unterstützung und Liebe.

(3) Betrachten  Sie das Babygeschrei nicht als eigenes Versagen.

(4) Lassen Sie sich nicht verunsichern. Jedes Kind hat seine eigenen Vorlieben und Abneigungen. Wichtig ist es, dass Sie die Signale Ihres Kindes richtig lesen können.

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Quellen:
Deutscher Hebammenverband (2011): Entspannt erleben: Babys 1. Jahr: Alles Wichtige: Ernährung, Schlafen, gesunde Entwicklung, Pflege. Georg Thieme Verlag.
Deutscher Hebammenverband (2010): Das Neugeborene in der Hebammenpraxis.
Masaracchia, Regina (2012): "Wie, du stillst nicht?": Das Praxisbuch für Mütter, die nicht stillen wollen oder können. Kösel-Verlag München.

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