Die Qual der Wahl: Geburtsklinik, Hausgeburt oder Geburtshaus?

 

Endlich schwanger oder auch zufällig, überraschend? Immer ein Anlass, zahlreiche Dinge zu überlegen und zu regeln.

Im Fokus jeder jungen Familie steht der Geburtsort. Eine Klinikgeburt ist die meist gewählte Option der werdenden Eltern. Die Geburtskliniken bieten zur Information Veranstaltungen und Führungen an, die sehr gut angenommen werden. Eine der Kliniken wirkt sympathisch und wird ausgewählt. Die erste Hürde ist dann, einen freien Termin für die Anmeldung zur Geburt zu bekommen. Sollte das geschafft sein, so ist dies mittlerweile keine Garantie mehr, in der Klinik der Wahl auch entbinden zu können.


Jede Woche ist in den sozialen Netzwerken und auch in der Presse von Überlastungen der Kreißsäle und Wochenbett-Stationen zu lesen. Frauen werden abgewiesen, trotz voranschreitender Geburt. Sie fahren durch die Städte und suchen nach einem Platz, der Ihnen eine begleitete, sichere Geburt ermöglicht. Nicht selten ist dann kein Raum im Kreißsaal frei und es gibt zahlreiche Berichte von Geburten auf dem Flur der Klinik, ohne Begleitung durch eine Hebamme. In einem Fall ist ein Baby auf dem Parkplatz zur Welt gekommen.

 

Seit 2011 steigen die Geburtenzahlen stetig an, allerdings haben sie das Niveau von 1990 noch nicht erreicht.

Immer wieder gab es Kritik an den rückläufigen Geburtenzahlen und Überlegungen zu unterstützenden Angeboten für Familien. Der Trend ist doch sehr erfreulich, aber wo sollen diese Babys denn geboren werden?

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Hausgeburten sind eher selten und die Geburtshäuser sind oft sehr stark ausgelastet. Trotz steigender Geburten wurden Geburtskliniken geschlossen und in ländlichen Regionen müssen werdende Eltern viele Kilometer zurück legen. Die Arbeitsbedingungen in Kliniken sind für die Hebammen nicht akzeptabel, so dass sie nur kurze Zeit dort tätig sind und dann in die Freiberuflichkeit wechseln. Allerdings in eine Freiberuflichkeit ohne Geburtshilfe schwierig, da die Haftpflichtprämien sehr hoch sind und mit den Tarifen der geburtshilflichen Leistungen nicht zu decken sind.


Der Deutsche Hebammenverband, die regionalen Hebammenverbände, der Berufsverband der Frauenärzte und Klinikmanager sowie noch einige weitere Verbände kritisieren die bestehende problematische Situation der Geburtskliniken und fordern dazu auf, die medizinische Versorgung der Frauen unter der Geburt zu sichern und die Fehlentwicklungen nicht auf dem Rücken der schwangeren Frauen auszutragen. Die politisch Verantwortlichen sollten dringend in konstruktive Diskussion mit Ärzten, Klinikleitungen und Hebammen gehen, um Lösungen für klinische Versorgung der Frauen zu erarbeiten.


Mein Rat an alle werdenden Mütter: Überlegt Euch rechtzeitig, wo Ihr entbinden wollt und informiert Euch, indem Ihr Kliniken und Hebammen sehr früh kontaktiert. In den Großstädten solltet Ihr tatsächlich schon in der 5./6. Schwangerschaftswoche eine Hebamme für die Nachsorge organisieren. Sie kann Euch dann zur aktuellen Situation in Eurer Region umfassend beraten.


Ich wünsche Euch, dass Ihr entsprechend Eurer Vorstellungen und Wünsche, in einer für Euch passenden Umgebung entbinden könnt!


Habt Ihr Erfahrungen, die Ihr anderen Frauen mitteilen wollt, dann nutzt die Möglichkeit und schreibt mir!
Eure Nancy

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Hier findest du weitere Informationen zu diesem Thema:

Filmvorstellung: Die sichere Geburt - Wozu Hebammen?

Was sollte in die Kliniktasche?

Schwangerschaft und Geburt: Interview mit Hebamme Jana Friedrich

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