5 Gründe für Schmerzen beim Abpumpen von Muttermilch

Abpumpen von Muttermilch

Stillen - die natürlichste Form der Säuglings-Ernährung

Das Stillen eines Babys an der Brust stellt die natürlichste Form der Ernährung dar und wenn Mutter und Baby ein Team geworden sind, genießen beide diese innige Nähe. Es gibt jedoch Situationen, in denen der Einsatz einer Milchpumpe notwendig wird, was für einige Frauen eine große Herausforderung darstellt und nicht immer nur angenehm ist.


Was ist, wenn das Abpumpen Schmerzen verursacht?

Stellen wir uns vor, eine Mutter pumpt täglich 6 - 8-mal Muttermilch ab und empfindet Schmerzen dabei. Diese Empfindung kann dazu führen, dass insgesamt weniger Muttermilch entleert wird, der Milchspendereflex auf sich warten lässt oder die betroffene Mutter entscheidet sich, die Anzahl der Abpumpvorgänge am Tag zu reduzieren. Das hat dann Auswirkungen auf die Milchmenge und es kann zum vollständigen Abstillen kommen. Daher ist es sehr wichtig, folgende Tipps zu beachten und das Abpumpen so angenehm wie möglich zu gestalten. 


Was kann die Ursache für die Schmerzen sein?

Um das herauszufinden, sollten unbedingt folgende 5 Punkte überprüft werden.


1. Bequeme Haltung

Wie beim Stillen eines Babys ist auch beim Abpumpen von Muttermilch eine bequeme Sitzhaltung notwendig. Wählt einen Stuhl mit Rückenlehne, optimal sind Armlehnen oder einen Sessel. Achtet darauf, dass Eure Füße nicht in der Luft hängen, nehmt in diesem Fall eine Fußbank zur Unterstützung. Auch feste Rollen oder Kissen können die Unterarme entlasten. Sollten vorhandene Geburtsverletzungen Schmerzen bereiten, besprecht bitte mit Eurem Gynäkologen oder Eurer Hebamme eine geeignete Schmerztherapie. Es gibt Medikamente, die während der Stillzeit eingenommen werden können. Haltet diese Schmerzen bitte nicht aus, da auch hier wieder ungünstige Auswirkungen auf die Milchbildung möglich sind. Versucht, aufrecht zu sitzen und haltet die Brustglocke direkt an der Brust, um die Haube luftdicht abschließen zu können, ohne zu starken Druck in die Brust auszuüben.

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2. Passende Brustglocke

Die Größe der Brustglocke orientiert sich an der Größe der Brustwarze. Ist die Brustwarze zu groß, kann es zu Reibungen kommen, die Verletzungen nach sich ziehen und so auch Schmerzen verursachen. Im Falle einer zu kleinen Brustwarze wird zu viel des umliegenden Brustgewebes mit in die Brustglocke eingesaugt, so dass auch hier Schmerzen entstehen können und zusätzlich werden die hauchdünnen Milchgänge abgeklemmt. Um die Größe korrekt ermitteln zu können, gibt es eine Schablone, die unkompliziert anzuwenden ist, diese erhältst du bei deiner Hebamme oder in der Apotheke.


3. Optimale Einstellungen

An den elektrischen Milchpumpen gibt es Einstellungen für die Saugstärke (Vakuum) und für die Häufigkeit des Saugens (Zyklus). Wenn ein Baby an die Brust angelegt wird, beginnt es mit wenig Druck und sehr häufigen Zügen zu saugen. Wenn die Muttermilch fließt, werden die Saugzüge länger und die Saugstärke nimmt ebenfalls zu. Hat das Baby die Brust korrekt erfasst, sollte das Stillen keine Schmerzen bereiten. An der elektrischen Milchpumpe gibt es Möglichkeiten, diese Einstellungen individuell anzupassen und das sollte auch jede Mutter für sich nutzen, um schmerzfrei und entspannt abpumpen zu können. Diese Einstellungen können auch im Laufe des Tages variieren und sollten daher immer wieder aktualisiert und angepasst werden. Wenn Ihr die geeignete Saugstärke für Euch herausfinden wollt, stellt das für Euch maximale Vakuum ein, welches Ihr aushalten könnt und schaltet dann die Saugstärke eine Stufe tiefer. Das ist meist die beste Einstellung, um angenehm abpumpen zu können.


4. Schafft eine angenehme Atmosphäre und Umgebung

Das Abpumpen von Muttermilch mittels einer Milchpumpe kann schon befremdlich sein. Daher ist die Umgebung, in der Ihr Muttermilch abpumpt enorm wichtig für Euer Wohlgefühl. Überlegt also, in welcher Atmosphäre Ihr Euch wohlfühlt! Habt Ihr ein frühgeborenes Baby, welches auf der Intensivstation überwacht werden muss, dann pumpt möglichst in der Nähe Eures Babys ab. Die Vorteile sind: passende Abwehrstoffe werden in der Muttermilch gegen die Keime gebildet, die sich in der unmittelbaren Umgebung Deines Babys befinden. So kannst Du Deinem frühgeborenen Baby einen optimalen Schutz vor Infektionen bieten. Es braucht keinen aufwendigen Transport der Muttermilch und sie kann frisch verabreicht werden, was für ein frühgeborenes Baby von enormer Bedeutung ist. Für Euch ist es angenehmer mit dem Blick auf Euer Baby abzupumpen, da der Milchspendereflex besser ausgelöst wird. Schafft Euch vor Ort einen geschützten Rahmen, soweit möglich. Entweder mit einem Paravent oder auch einem großzügigen Tuch oder Schal, den Ihr Euch über Schultern, Rücken und die Vorderseite des Oberkörpers legt. Solltet Ihr auf der Wochenbettstation abpumpen, kann es jederzeit zu Störungen im Zimmer kommen: Setzt Euch mit dem Rücken zur Tür oder bittet darum, ein Schild mit entsprechendem Hinweis an die Tür anzubringen. Egal, wo Ihr abpumpt, solltet Ihr Handys und Telefone ausschalten. Geht vorher zur Toilette, wascht Euch die Hände, trinkt etwas und positioniert Euch bequem.


5. Besonderheiten an der Brust oder Brustwarze

In einigen Fällen kann es zu Schmerzen während oder unmittelbar nach dem Abpumpen kommen, die ziehend bis stechend sein können. Achtet hier bitte auf das Aussehen der Brustwarze! Sollte sie an einer Stelle verformt sein, dann korrigiert den Sitz der Brustglocke entsprechend und überprüft die Größe der Brustglocke! Erkennt Ihr eine weiße Färbung oder stark violett, kann das ein Hinweis auf einen sogenannten Vasospasmus sein. Kontaktiert dazu bitte umgehend eine Stillberaterin, Hebamme oder den Gynäkologen, um Abhilfe zu schaffen. Solltet Ihr eine Stelle entdecken, die weißlichen, gelben Pickel ähnelt, kann dies ein verstopfter Milchgang sein. Die Milch staut sich dann und der Druck verursacht den Schmerz.

Wenn Ihr den Eindruck habt, die gesamte Brust schmerzt während des Abpumpens, kann eine sanfte Massage vorbereitend, gern auch mit einer parfümfreien Lotion oder Öl hilfreich sein. Damit lockert Ihr das Brustdrüsengewebe, unterstützt den Milchspendereflex, erhöht den Fettgehalt der Muttermilch, steigert die Milchmenge und beugt zu starker Reibung auf der Brusthaut vor. Bei vorhandenen Rötungen und Schwellungen sowie Überwärmung und für den Fall, dass Ihr keinen der angegebenen Gründe für die Schmerzen ausmachen könnt, nehmt bitte zeitnah Kontakt mit einer Stillberaterin oder Hebamme auf!


Schmerzen weisen immer auf ein Problem hin und sollten nicht ignoriert werden. Wendet Euch bitte vertrauensvoll an eine Fachperson, die Euch kompetent beraten und unterstützen kann!

Ich wünsche Euch eine kuschelige Stillzeit,

Eure Nancy.

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