Frühgeborene: Die Känguru-Pflege

Die Wichtigkeit der Mutter-Kind-Beziehung

Die Känguru-Pflege © JorgeAlejandro - Fotolia.com

Die Känguru-Pflege gewinnt in den letzten Jahren in zunehmendem Maße an Popularität und stellt eine Möglichkeit dar, stabilen Frühchen Wärme und Geborgenheit durch den Hautkontakt mit der Mutter zu geben. Die Technik wurde von der Neonatologin Marina Marcovich übernommen und weiterentwickelt.

1. Wie ist die Känguru-Methode entstanden?

Die Kängurumethode, die sog. Methode des Hautkontakts, wurde 1979 in einem Krankenhaus in Bogota, Kolumbien, aus einer Not heraus eingeführt. Aufgrund fehlender Inkubatoren und eine großen Anzahl von Frühgeborenen veranlassten zwei Kinderärzte die Mütter ihre Babys auf ihre Brust zu legen, mit Tüchern zu bedecken und so die mütterliche Körperwärme zu nutzen. Diese Technik erinnerte stark an Känguru-Junge, welche im Beutel der Mutter nach der Geburt heranwachsen.

Nachdem die Ärzte in Kolumbien sehr gute Erfahrungen mit der Känguru-Methode gesammelt hatten, wurde diese auch in anderen Ländern angewandt. In Deutschland wird diese Känguru-Pflege seit den 80er Jahren praktiziert.

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2. Was versteht man unter „Känguru-Pflege“ bzw. Känguruversorgung genau?

Unter der Känguruversorgung wird an erster Stelle der körperliche Hautkontakt zwischen Mutter (und Vater) und dem Frühgeborenen verstanden. Bei dieser Technik wird also das nackte Baby vertikal zwischen die Brüste der Mutter oder auf die Brust des Vaters gelegt. Über das Baby wird ein Tragetuch gebunden und es wird mit der Kleidung der Mutter bedeckt.

Durch die Känguru-Pflege werden sowohl die emotionale Mutter-Kind-Beziehung als auch die Gesundheit verbessert und alle Sinne des Kindes angesprochen: Geruchssinn durch den Körpergeruch der Eltern, Gleichgewichtssinn durch die Bewegungen der Eltern, taktile und akustische Stimulation durch die Stimmen der Eltern. Dadurch lernen sich Mutter/Vater und Baby kennen und die Eltern werden durch die positiven Effekte gestärkt.

Die Känguruversorgung bietet auch die Gelegenheit zu frühzeitigem Stillen, fördert den Milchspendereflex und führt zu einer längeren Stillzeit und häufigerem Stillen.

3. Voraussetzungen für die Känguru-Pflege

Abhängig vom Einzelfall, kann mit der Känguru-Pflege früher oder später begonnen werden.

Eine wichtige Voraussetzung für die Anwendung der Kängurumethode ist das Einverständnis und die Aufklärung der Eltern, der Allgemeinzustand des Babys (Kreislauf und Atemsituation müssen stabil sein)  und das Angebot auf der Neonatologiestation.

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4. Vorteile der Känguru-Mehtode

Viele wissenschaftliche Studien belegen die positiven Effekte des „Känguruhens“ auf die psychologische Stabilität und die Gesundheit der Frühgeborenen.

Die körperliche Nähe hilft den Eltern, ihr Baby und dessen Reaktionen näher kennenzulernen, fördert die Milchbildung und stärkt das Vertrauen der Eltern in die eigenen Kompetenzen. Frauen, die die Känguru-Methode angewendet haben, neigen dazu länger und häufiger zu stillen.

Frühgeborene, die mit der Känguru-Methode gleich nach der Geburt versorgt werden, schreien weniger und verbringen mehr Zeit im Wachzustand und Tiefschlaf. Sie werden früher nach Hause entlassen, schreien im Alter von sechs Monaten weniger und haben in der Regel weniger ernsthafte Erkrankungen.

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Quelle:
Mohrbacher, Nancy & Stock, Julie (2000): Handbuch für die Stillberatung. La Leche Liga Deutschlang

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