Die Geschichte des Mutterschutzgesetzes

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Habt Ihr Euch auch schon mal gefragt, seit wann es Regelungen für schwangere, berufstätige Frauen gibt? Dazu habe ich mich mal umgesehen…

1878 gab es für schwangere Fabrikarbeiterinnen zum allerersten Mal in Deutschland eine Schutzmaßnahme. Sie durften drei Wochen nach der Geburt nicht beschäftigt werden, allerdings ohne Bezahlung.

1893 kam dann bezahlter Erholungsurlaub von vier Wochen nach der Geburt des Kindes hinzu.

Anfang des 20. Jahrhunderts kam es dann zur Schutzfrist von zwei Wochen vor der Entbindung.
In den 20-ern durften die Schwangeren 6 Wochen vor der Geburt der Arbeit fernbleiben.

1942 wurden deutliche Verbesserungen für das Mutterschutzgesetz erreicht, die die Säuglingssterblichkeit senken und Frühgeburten vermeiden sollten.

In der Zeit des Krieges wurde die Berufstätigkeit der Frauen notwendig, um die Männer zu ersetzen, die ihren Wehrdienst taten. Zudem wurde Nachwuchs benötigt und die Geburtenzahlen sollten steigen. Daher wurde Akkordarbeit und schwere und gesundheitliche Tätigkeiten für Schwangere und Stillende verboten sowie Mehrarbeit, Sonn- und Feiertagsarbeit. Es wurde die Schutzfrist nach der Geburt für Stillende auf 8 Wochen verlängert und bei Frühgeburten auf 12 Wochen. Während der Schutzfristen vor und nach der Geburt wurde ein Wochengeld gezahlt und die Frauen hatten einen Kündigungsschutz nach Mitteilung ihrer Schwangerschaft. Es gab ein Stillgeld und Stillpausen während der Arbeitszeit, um die gesunde Ernährung der Babys zu sichern.

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Nach Ende des Krieges wurde das Gesetz so vom Alliiertenrat übernommen und der Bundesregierung wurde es überlassen, es anzuwenden und zu kontrollieren.

Im Januar 1942 kam es dann zum ersten „Gesetz zum Schutz der erwerbstätigen Mutter“.
Ab 1965 kam es zu zusätzlichen Schutzregelungen für schwangere Frauen. Sie erhielten für die Schutzfristen Geld von der Krankenkasse. Hebammenversorgung und Kontrolluntersuchungen in der Schwangerschaft wurden kostenfrei.
1979 wurde ein Mutterschaftsurlaub von vier Monaten ermöglicht, unter der Zahlung eines Lohnersatzes.
1986 erst wurde dann ein dreijähriger Erziehungsurlaub und ein Erziehungsgeld von 600 Mark im ersten Halbjahr eingeführt. Nach den sechs Monaten war das Erziehungsgeld einkommensabhängig.

Im Jahr 2000 wurde das Recht auf Teilzeitarbeit durchgesetzt, um Familien die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern.

2007 wurde aus dem Erziehungsurlaub die Elternzeit und der finanzielle Bezug währenddessen zum Elterngeld umbenannt. Beide Elternteile können Elternzeit in Anspruch nehmen und sie können sie flexibel gestalten.

Die Mutterschutzbestimmungen wirken mittlerweile sehr umfassend. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf scheint jedoch noch immer eine Hürde darzustellen und die Entscheidung zwischen Kind und Karriere für junge Frauen allgegenwärtig zu sein. Die Geschichte zeigt Veränderungen in den gesetzlichen Regelungen und auch die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft. So bleibt zu hoffen, dass auch in Zukunft eine Entwicklung möglich ist, die den Frauen und Familien den Weg ebnet.

Eure Nancy

 

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Kommentar von Tobias Müller |

Danke für den Beitrag und die nützlichen Infos zu Mutterschaftsurlaub. Meine Cousine arbeitet momentan mit einem Anwalt für Arbeitsrecht zusammen, weil ihr wohl gekündigt wurde während sie im Mutterschaftsurlaub war. Sehr interessant, über die Geschichte des Mutterschaftsurlaubs zu lesen! Empfehle ich meiner Cousine weiter!
LG
https://www.rechtsanwaltohz.de/hidde-graff-rechtsgebiete/arbeitsrecht

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